Festtagstracht des Kirchspiels Sittensen

Schließe des Leibhakens

Brosche unverheirateter Mädchen

Brautkrone

Brautschmuck

Die Tracht ist ca. 200 Jahre alt und bäuerlichen Ursprungs. In der von der Trachtengruppe vorgestellten Form wurde sie im 19. Jahrhundert und bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts getragen, vereinzelt bis in die 60er Jahre. Zu den verschiedenen Anlässen wurde eine spezielle Art der Tracht (Arbeits-, Sonntags-, Festtags-, Abendmahls-, Trauertracht) getragen.

 

Durch die Farben der Festtagstracht lässt sie die Lage des Kirchspiels in einem Heidegebiet erkennen: das Schwarz der Moore, das Lila der Heide, das Grün der Wälder und Wiesen und das Blau der Gewässer und des Himmels.

 

Zur Sonntags- bzw. Festtagstracht der Frauen und Mädchen gehört die bunte Haube mit dem gekreppten weißen Besatz, die schwarze Jacke, der Faltenrock, hinten mit den plissierten Falten, vorne glatt gehalten. Darüber eine blaue, lila oder dunkelgrüne Schürze, verziert mir Borden und Fransen, je nach dem was vorhanden war und einem Gürtel mit der Filigranschließe, genannt „Lievhoken“. Um den Hals wird ein kleines Tuch getragen.

 

Von den Mädchen wird auch eine Jacke mit einem runden Ausschnitt, die offene Jacke, getragen. Um die Schulter kommt ein blaugrundiges Tuch mit einer bunten Kante und Fransen zum Abschluss. Zu diesem Tuch gehört eine Brosche. Hierzu muss gesagt werden, dass sich früher nicht jeder eine Brosche oder die Filigranschließe leisten konnte. Im Besitz eines Mitglieds befindet sich eine vererbte Brosche aus dem Jahr 1602.

 

Das besondere ist die Tracht der Braut, das wertvollste an ihr ist der Brautschmuck, insbesondere die Brautkrone. Sie war früher Eigentum der Pastorenfrau und konnte dort für eine Gebühr von einem Taler ausgeliehen werden. Das letzte Brautpaar ließ sich ca. 1924 in der Sittenser Tracht und dem Brautschmuck trauen.

 

Zum Brautpaar gehören ebenso die Brautmädchen. Sie tragen zur Festtagstracht einen üppigen weißen Spitzenkragen und in der Hand wird ein weißes Spitzentaschentuch gehalten. Sie haben die Aufgabe, der Braut beim Ankleiden zu helfen und ihr weiterhin zur Hand zu gehen.

 

Der Bräutigam trägt ein weißes Stehkragenhemd mit schwarzer Schleife, einen schwarzen Anzug mit Gehrock, dazu einen Zylinder. Als Schmuck wird ein kleiner Strauß aus Blumen angesteckt.

 

Ebenso wichtig ist für eine Hochzeit der „Kostenbitter“ oder auch „Hochzeitsbitter“ genannt. Er schmückt sich mit Blumen an Zylinder und Jacke. Außerdem hat er einen Handstock mit farbigen Schleifen. Seine Aufgabe besteht darin, die Verwandten, Nachbarn und Bekannten zur Hochzeit einzuladen.

 

Zum Abendmahl wird eine schwarze Haube mit weißem Mützenband, ein weißes Schultertuch und eine weiße Schütze getragen. Die jüngeren Frauen tragen ebenfalls ein weißes Schultertuch, jedoch die Schürze ihrer Sonntagstracht. Der vorhandene Schmuck wurde ebenfalls angelegt.

 

Zur Trauer wird ein schwarzer Rock mit Plisseefalten im hinteren Teil und glatt im vorderen Teil, die schwarze Haube mit einem weißen Besatz, ein weißes Schultertuch und eine weiße Schürze getragen, jedoch ohne den Schmuck.

 

Die Tracht der Männer ist im Gegensatz zur Frau schlicht und einfach. Zur schwarzen Hose wird eine hochgeschlossene schwarze Weste und eine Jacke bzw. ein Gehrock getragen. Als Kopfbedeckung dient eine Mütze bzw. ein Zylinder.

 

Zur Konfirmation wurde früher erstmalig diese Tracht getragen.

 

Zur Taufe neuer Erdenbürger konnte man sich in früheren Zeiten die Taufkleider ebenfalls bei der Pastorenfrau gegen eine geringe Gebühr ausleihen. Sie waren aus Samt, in blau für die Jungen und in rot für die Mädchen.

 

 

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